Der Charme eines Thermalbades aus der Belle Époque

Der Thermal- und Ferienort Royat-Chamalières liegt auf halbem Weg zwischen dem Puy de Dôme und Clermont-Ferrand und wartet mit einem prächtigen architektonischen Erbe auf. Thermen, Trinkhallen, Paläste und Villen zeugen vom sprudelnden Leben in der Belle Époque.

„Sich ein paar Schritte vom niedlichen Pavillon der Eugénie-Quelle hinsetzen und zusehen, wie die Trinkenden vorbeilaufen, dem Gespräch eines Nachbarn lauschen, der für die verschiedenen Personen Namen erfindet: Das ist ein wahrlich erheiterndes und zugleich belangloses Schauspiel, das sich genauso amüsant anfühlt wie ein Kaleidoskop-Rohr, das man ein Bild weiter dreht.“

Splendid Guide, 1881

 

 

 

Die Entdeckung der Großen Quelle 1844 markierte die Geburtsstunde des Thermalbades. Der Besuch Napoleons III. und der Kaiserin Eugénie 1862 ist der Grundstein für den zukünftigen Kurort. Bei dieser Gelegenheit wurde die Große Quelle auf den Namen der Kaiserin getauft. Das Herz des grünen Tales der Tiretaine, dessen Naturlandschaft in den 1830er-Jahren von Camille Corot gemalt wurde, verwandelte sich nach und nach in einen sommerfrischen Bäderort.

 

 

 

Eine prunkvolle Architektur entstand, um damit die Aristokratie und das Bürgertum der ganzen Welt zu begrüßen, darunter Persönlichkeiten wie den Prinzen von Wales (den späteren Eduard VII.), den König von Belgien Leopold II., die Königin Italiens, die Gebrüder Goncourt, George Sand, Sarah Bernhard, Colette, Stéphane Mallarmé, Félix Faure und Maurice Barrès.

Das Thermalbad

Die Thermen, vom Architekten Agis Ledru entworfen, wurden 1856 eröffnet. Monumentale Bögen, ionische Säulen und Statuen verweisen auf die gallo-römische Vergangenheit des Bades. Zwei Pflegeflügel, die sich bis auf den Stein gleichen, zeugen von der Trennung zwischen Männern und Frauen. Bis heute wurde die Einrichtung immer wieder verändert, erweitert und restauriert: So vergrößerte Louis Jarrier 1913-1914 die Thermen in einem italienischen Stil, dazu kam das darstellende Buntglasfenster der drei großen Glaswände des Zentralpavillons …

Trinkhalle Eugénie

Das Originalgebäude war ein gusseiserner Kiosk. 1913-1914 baute der Architekt Louis Jarrier eine Glasglocke, eine echte Goldschmiedearbeit, um die Quelle zu schützen. Der runde Tresen war von Sandstein mit geometrischen Motiven und opalartigen Platten bedeckt. 1936 wurde der gusseiserne Kiosk durch eine im Stil der Antike gehaltene Konstruktion der Architekten Antoine Chanet und Jean Liogier ersetzt. Heute kann das Wasser der Eugénie- und der Saint-Mart-Quelle in der Eingangshalle der Thermen getrunken werden.

Römische Bäder

Die Thermalquellen beruhigen und heilen seit der Antike, wovon mehrere Relikte zeugen, die im 19. Jh. gefunden wurden: eine Votivtafel der Quelle „Les Roches“, römische Brunnen, Bäder … Die römischen Thermen, die beim Bau des Eisenbahnviadukts entdeckt wurden, bestanden aus drei großen Bädern und vier Sälen, die über den Boden beheizt wurden. Marmorfragmente verschiedener Farben, Mosaike und Bronzeplastiken zeugen von einer prunkvollen Gestaltung. Heute ist nur noch eines der Bäder mit Stufen und Halbrunden sichtbar.

Pavillon Saint-Mart

Der Pavillon Saint-Mart wurde 1912 vom Architekten Louis Jarrier gebaut. Über den Zentralpavillon mit Kuppel gelangte man zu den Kabinen der Bein- und Fußbäder unter einem Terrassendach. Ab 1937 wurde der Pavillon durch ein klassisches Dach geschützt, seit 1980 ist er für die Heilbehandlung geschlossen. 
Ein raffiniertes Mosaik schmückt den Eingang. Das Schild, die Wappen von Saint-Mart und der Springbrunnen wurden aus Briare-Emaille gefertigt, während der Boden aus Céram-Sandstein besteht.

Catherine Gout
De-ci, de-là

Das Thermalbad besichtigen

  •  Die Wasserstadt der Belle Époque (1 Std. / 1,6 km)
  •  Vom Thermalpark zum Ortszentrum Royat (1 Std. / 1,4 km)
  •  Vom Thermalpark zum Stadtzentrum Chamalières (1,5 Std. / 2,7 km)

Broschüre erhältlich in der Touristeninformation von Royat-Chamalières

 

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